Von: Lisa Feldmann aus Nusa Penida

An: Annika Freitag nach Mannheim

Nusa Penida, 3. Juni 2019

Meine liebe Freundin,

möchtest du einmal in deinem Leben Millionär sein? Dann buche dir einen Flug nach Indonesien, gehe zum nächsten ATM am Flughafen und hebe 1.500.000 IDR ab. Okay, umgerechnet sind es 93 Euro… Trotzdem haben wir uns den Spaß erlaubt und in Gedanken den Punkt „Einmal Millionär sein“ von unserer Bucket List gestrichen.

Das ist längst nicht der einzige Punkt gewesen, den wir „streichen“ durften. Ich habe dir unsere Tipps und Tricks zum Nachreisen aufgeschrieben: von buddhistischen und hinduistischen Tempelanlagen, dem Sonnenaufgang über der Vulkankette im Nationalpark Bromo-Tengger-Semeru, über chillige Strandtage bis hin zu Expeditionen durch Reisterrassen, Regenwälder und zu Riesen-Wasserfällen. Sei vorgewarnt: In Indonesien passiert (fast) alles zum Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. 

Für den Überblick hier unsere Eckdaten und die Reiseroute:

  • Land: Indonesien
  • Inseln: Java und Bali (inklusive Nusa Penida)
  • Reisemonat: Mai
  • Zeitraum: Zwei Wochen (fünf Nächte auf Java, sechs Nächte auf Bali, drei Nächte auf Nusa Penida)
  • Beste Unterkünfte: Snooze (sehr freundliche Mitarbeiter, bestes Frühstück) und Angels Bungalow (wunderschönes Himmelbett)
  • Lieblingsbar: Penida Colada Bar auf Nusa Penida (unbedingt in der Happy Hour die Cocktails 2 für 1 bestellen)
  • Gepäck: 11 Kilogramm (Empfehlung: unbedingt Fleecejacke und wiederverwendbare Trinkflasche einpacken)
Unsere Reiseroute durch Java und Bali

Die Vulkaninsel Java

Der erste Stopp der Reise war Yogyakarta – und für eine asiatische Großstadt (3,5 Millionen Einwohner) ist die Studenten- und Künstlerstadt doch recht sehenswert. Nach der 30-stündigen Flugreise von München über Dubai bis hin nach Jakarta, und mit einem Inlandflug weiter, sind wir aber erstmal hundemüde in die Betten des Snooze Hotels gefallen. Übrigens eine sehr süße Unterkunft, die ich immer wieder buchen würde.

Yogyakarta ist berühmt für Batikkunst, den Kraton (Sultanspalast) und Taman Sari (Wassertempel). Letzteres beherbergt den ehemals königlichen Garten des Sultanats. Nach einem Besuch lohnt sich ein frischgepresster Saft und das Mi Goreng des Water Castle Cafés.

Vor allem lohnt sich der Besuch der Tempelanlangen Prambanan (hinduistisch) zum Sonnenuntergang und Borobodur (buddhistisch) zum Sonnenaufgang – beides imposante Heiligtümer religiöser Dynastien. Prambanan soll angeblich ähnlich zu Angkor Wat in Kambodscha sein. Borobodur war allerdings mein persönliches Highlight: Mit einem Fahrer vom Hotel sind wir um vier Uhr morgens aufgebrochen, um Zeuge des spektakulären Sonnenaufgangs zu werden – Bilder sprechen hier mehr als tausend Worte. Das hat natürlich seinen Preis: Der Eintritt in beide Tempelanlagen mit jeweils über 20 Euro war das Teuerste, was wir auf unserer Reise gezahlt haben. Ein kleiner Tipp: Die Touren zu den Tempelanlagen sind oft über die Unterkunft buchbar.

Die hinduistische Tempelanlage Prambanan
Die buddhistische Tempelanlage Borobodur …
… zum Sonnenaufgang.

Von Yogyakarta sind wir drei Nächte später mit dem Zug Richtung Probolinggo gereist (insgesamt acht Stunden Zugfahrt), um von dort weiter in das Bergdorf Cemoro Lawang (nochmal eineinhalb Stunden, Pick-up über unser Hotel) zu fahren. Das ist der perfekte Ausgangspunkt, um die Vulkanlandschaft zu entdecken. Weltberühmt ist der Sonnenaufgang, für den viele tausende Menschen jedes Jahr die lange Fahrt auf sich nehmen – und die sich auf jeden Fall lohnt.

Viele Touristen buchen die Touren bereits in Yogyakarta und fahren mit dem Jeep hoch zur Aussichtsplattform auf dem King Kong Hill – wir haben es auf eigene Faust und zu Fuß gemacht und sind zu einen View Point etwas unterhalb des King Kong Hills, den sogenannten Seruni Point, gewandert. Das hat den Vorteil, den magischen Moment des Sonnenuntergangs nicht mit gefühlt hundert anderen Jeeps teilen zu müssen, sondern ihn in Ruhe genießen zu können – gleichzeitig spart es natürlich auch viel Geld, da die Touren ziemlich überteuert sind. Der etwa einstündige Weg lässt sich problemlos vom Dorfzentrum bis zum Seruni Point mit Google Maps finden und ist – auch im Dunkeln – einfach zu finden. Taschenlampe und Fleecjacke (dort oben ist es nachts ganz schön kalt) nicht vergessen! Wir sind um drei Uhr aufgebrochen, haben oben am Aussichtspunkt noch in der Kälte eine Stunde bis zum Sonnenaufgang gewartet – wir würden deshalb den Tipp mitgeben, dass es auch reicht, gegen vier Uhr loszugehen. Oben gibt es kleine Stände, die heißen Tee und Kaffee zum Aufwärmen verkaufen.

Das Warten auf den Sonnenaufgang am Seruni Point
Der Blick auf den Kraterrand von Mount Bromo

Kurzfristig haben wir uns überlegt, noch eine Nacht länger in Cemoro Lawang zu bleiben, um auch den Kraterrand des Mount Bromo, den 2329 Meter hohen aktiven Vulkan und der jüngste Krater des Tengger-Vulkan-Massivs, zu erklimmen. Dafür muss zunächst die Sea of Sand – eine Mischung aus Wüsten- und Mondlandschaft – durchquert werden. Mittendrin steht ein Tempel, der den Vulkangöttern gewidmet ist. Den Abend haben wir im Café Lava ausklingen lassen – eines der wenigen Restaurants im Dorf.

Die Sea of Sand
Der Kraterrand des Mount Bromo – (k)eine gefährliche Angelegenheit

Mit dem Zug sind wir am nächsten Morgen bis nach Banyuwangi gereist und haben von dort die Fähre nach Bali genommen.

Hippes Bali

Das erste Ziel auf unserer Rundreise durch Bali war der Hipster-Ort Canggu. Dort gibt es hippe Cafés, Restaurants und Geschäfte. Ganz viel ist „vegan“, „bio“ oder „detox“. Auf den vielen Märkten verkaufen sie Menstruationstassen, Strohhalme aus Bambus oder Holzzahnbürsten. Unseren ersten Tag dort starteten wir auch direkt auf dem sogenannten Samedi Sunday Market. Eigentlich ist es ein Yogastudio, jeden Sonntag verwandelt sich der Ort von 9 bis 14 Uhr zusätzlich in einen Markt, auf dem lokale Bauern und Künstler ihre Produkte verkaufen.

In Canggu gibt es unzählig viele Strände, die sich aneinanderreihen und zu langen Spaziergängen am Meer einladen – wir haben zwei Strände besucht: Batu Bolong Beach bei der Bar Old’s Man. Abends gibt es dort kaltes Bier und Live Musik, die Locals grillen Maiskolben direkt am Strand.

Sonnenuntergang am Batu Bolong Beach
Abendliches Treiben in Bali

Der andere Strand, den wir „getestet“ haben, war Berawa Beach. Neben dem Finn’s Beach Club, der sehr guten Kaffee und leckere Frühstück-Bowls und Avocado-Brote anbietet, sich allerdings auch in erster Linie an VIP-Gäste richtet, gibt es weiter unten am Strand die „Warungs“, Hütten der Locals. Dort haben wir in bunten Sitzsäcken gechillt, die Surfer beobachtet, Kokosnüsse geschlürft und die besten Sommerrollen unserer Reise gegessen – es war der faulste und fast schönste Tag im Urlaub.

Im Finn’s Beach Club
Berawa Beach – Entspannung pur!

Allerdings gibt es trotzdem zwei Sachen, die uns in Canggu negativ aufgefallen sind: Zum einen gibt es auf Bali keine Fußgängerwege. Wir sind viel zu Fuß gelaufen (auch weil wir uns bei dem Verkehr und als sehr unerfahrene Rollerfahrer nicht auf einen Roller getraut haben), und das war jedes Mal ein kleines Abenteuer. Zum anderen – und das ist ja bekannt für Südostasien – haben wir fernab des „touristischen Auges“ immer wieder riesige Plastikmüllberge gesichtet.

Nach zwei Tagen Strandprogramm sind wir nach Ubud ins Buana Homestay – sogar mit einem schönen Pool – umgezogen. Ein kleines, aber feines Guesthouse mitten in einem hinduistischen Tempel. Unser Fahrer hat erzählt, dass viele Familien ihre eigenen Tempel haben, damit sie dort auch direkt Beten können.

Ubud überzeugt mit vielen schönen Läden, die unsere Backpacks gefüllt und die Geldbeutel geleert haben – es gibt schönen Schmuck, schöne Kleider, schöne Spas und zahlreiche Entdeckungstouren. Wir haben von allem etwas mitgenommen, zum Beispiel: den Campuhan Ridge Walk durch Dschungel und Reisfelder am Abend, die Tegalalang Reisterrassen (am besten zum Sonnenaufgang morgens da sein, dann ist noch nicht so viel los), den Besuch des hinduistischen Bestattungstempel Gunung Kawi (wirklich beeindruckend). Einen entspannten Tag im Spa haben wir uns auch nicht entgehen lassen: das Tamarind Spa können wir sehr empfehlen. Auch gibt es einige Yoga Studios, zum Beispiel das Yoga Saraswati, in dem Locals Yoga unterrichten.

Tegalalang Reisterrassen morgens um 7 Uhr
Die Landschaft erinnert uns ein wenig an den Film „Eat Pray Love“.
Banuymala Waterfalls

Das letzte Ziel unserer Reise: die Insel Nusa Penida südlich von Bali. Was man wissen sollte: Manchmal ist der Wellengang so stark, dass die Boote nicht fahren – das ist auch der Grund, weshalb Nusa Penida im besten Fall nicht als letzter Stopp der Reise eingeplant werden soll. Unser Boot ist gefahren, der Wellengang hat uns allerdings trotzdem außer Gefecht gesetzt. Wir hatten ganz schön Angst, haben es dann aber doch überstanden und waren sehr froh als wir endlich Land in Sicht gesehen haben.

Unsere Unterkunft war traumhaft – noch nie habe ich in einem so schönen Himmelbett geschlafen wie im Angels Bungalow. Ein weiterer Vorteil: Das Guesthouse liegt keine fünf Gehminuten von der besten Bar und Restaurant der Insel, die Penida Colada Bar, entfernt. Ein bisschen hat uns die Insel mit ihren Steilküsten sogar ein wenig an Madeira erinnert; auch die Strände sind sehr schön – allen voran bekannt und beliebt ist Kelingking Beach – ein Traumstrand wie aus dem Bilderbuch. Und, wie kann es anders sein, wird der Besuch zum Sonnenuntergang empfohlen. Etwas versteckter und ruhiger liegt der Pandan Beach, direkt neben Crystal Bay – ein richtiger Geheimtipp für einen entspannten Nachmittag am Strand.

Unser Himmelbett im Angels Bungalow
Barfuß am Pandan Beach
Broken Beach auf Nusa Penida

So, viele Worte, viele Bilder: Am besten überzeugst du dich mal selbst von dem bunten Treiben auf den indonesischen Inseln. Ich komme gerne nochmal mit!

Herzliche Grüße,

dein Lisa

PS: Einen Tipp habe ich noch: In den allermeisten unserer Unterkünfte gab es Wasserauffüllstationen. Nimm‘ also auf jeden Fall eine wiederverwendbare Trinkflasche mit – so kannst du sogar ein bisschen Plastikmüll sparen!