Von: Annika Freitag aus Mannheim

An: Lisa Feldmann nach München

Seoul, 7. März 2019

Liebe Freundin,

Seoul ist nicht nur die Hauptstadt Südkoreas, sondern auch Wirtschaftszentrum und Touristenmagnet. Knapp zehn Millionen Einwohner zählt die asiatische Stadt – und fast ebenso viele Touristen besuchten Seoul im Jahr 2018. 

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Seoul Plaza mit dem Rathaus im Hintergrund
Seoul Plaza mit dem Rathaus im Hintergrund
Historischer Temple vor modernen Hochhäusern in Seoul
Kontrastreiche Hauptstadt

Uferweg entlang des Cheonggyecheon

Der Fluss Cheonggyecheon teilt die Stadt. Nach dem Koreakrieg (1950-1953) wurde eine Hochautobahn über den Fluss gebaut. Im Jahr 2003 entschloss sich die Stadt, die Autobahn abzureißen und stattdessen dem Fluss zu seiner ursprünglichen Form zu verhelfen. Beginnend am Cheonggye Plaza zieht der Fluss Cheonggyecheon sich elf Kilomenter durch die Stadt. Schließlich mündet er in den Hangang Fluss. Am Ufer führt an beiden Seiten ein schöner Spazierweg entlang, bei dem man unter 22 Brücken hindurchläuft. 

Fluss Cheonggyecheon
Am Cheonggyecheonufer
Malereien am Cheonggyecheonufer
Bemalte Fließen entlang des Spazierweges

Liebevoll restauriertes Bukchon Hanok Village

Inmitten der modernen Wolkenkratzern schmiegt sich das historische Dorf Bukchon Hanok an. Umringt vom Gyeongbokgung Palast, dem Changdeokgung Palast sowie dem Jongmyo Schrein finden wir hunderte von traditionellen koreanischen Häusern. Diese nennen Koreaner „hanok“ und stammen aus der Joseon-Dynastie. Die Herrscher dieser Dynastie bestimmten von 1392 bis 1910 das Leben der Koreaner. Der Name „Bukchon“ bedeutet „nördliches Dorf“ und kommt daher, dass er im Norden des Flusses Cheonggyecheon liegt. Heute befinden sich Fremdenzimmer, Restaurants, Teehäuser oder Galerien in den kleinen Häuschen. Aber auch viele Einwohner haben in Bukchon Hanok ihr Zuhause. Um sie nicht zu stören, dürfen Besucher nur bis fünf Uhr am Abend durch die Straßen spazieren. Außerdem stehen an vielen Ecken nette Koreaner mit einem Schild „Shhh – Be quiet please!“

Reisegruppe historisches Viertel Seoul
Touristengruppen im Bukchon Hanok Village
Asiatischer Tempel mit gepflegten grünen Bäumen
Eindrücke aus dem Bukchon Hanok Village

Ein weiteres sehenswertes Viertel der Stadt ist Itaewon. Das Viertel ist viel mehr als eine verrückte Einkaufsstraße. Dort gibt es multikulturelle Märkte, LGBTQ-freundliche Bars und jede Menge internationales Flair. Ursprünglich ein Rotlichtbezirk, prangen heute Regenbögen über vielen Eingangstüren.

Wandern im Nationalpark Bukhansan

Obwohl Seoul einen Millionenstadt ist, bietet sie wunderbare Gelegenheiten zum Wandern. In der Stadt selbst gibt es einige Hügel, von denen man eine malerische Aussicht auf die Stadt genießt. Zumindest, wenn die Sicht klar ist. 

Der Nationalpark Bukhansan ist nur einen Katzensprung mit dem Stadtbus vom Zentrum entfernt. Zu erreichen ist der Eingang des Nationalparks am besten, wenn man aus der Metrolinie 3 an der Gupabal Station aussteigt. Von dort geht es am Ausgang 1 mit dem Bus 704 nach „Bukhansaneong Fortress“. Für den Bus ist es wichtig, genügend Kleingeld dabei zu haben, da die Fahrer oft nicht wechseln. Schon im Bus steigen viele koreanische Wanderer zu, sodass wir den richtigen Ausstieg am Bukhansanseong Information Center gar nicht verpassen konnten.

Wanderung zum höchsten Berg Seouls

Neben all den komplett in Funktionskleidung ausgestatteten Koreanern fühlten wir uns fast ein bisschen unvorbereitet. Unsere Sorge war allerdings unbegründet. Die Wanderung vom Westeingang des Nationalparks zum Ostende dauerte ungefähr fünf Stunden. Dabei überquerten wir den höchsten Gipfel Seouls, Baegundae Peak auf 840 Metern ü. NN. Essen und vor allem ausreichend zu Trinken mitzunehmen ist daher wichtig. Zwar kamen wir an einer bewirteten Hütte vorbei, allerdings bezweifle ich, dass sie das ganze Jahr geöffnet hat. Wir hatten allerdings das Glück und schlürften dort eine Nudelsuppe. 

Bis zum Gipfel folgten wir immer dem Schild „Baegundae“. Der gepflegte Wanderweg führte zunächst an einem idyllischen Flusslauf unter Bäumen entlang. Kurz vor dem Gipfel ging es über große Naturstufen steil bergauf. Das letzte Stück mussten wir sogar ein wenig klettern, allerdings waren überall Halteseile angebracht. Im Sommer muss man auf dem letzten Stück zum Gipfel mit viel Gegenwanderverkehr rechnen, aber die Aussicht über die Wolkenkratzer der Stadt lohnt sich allemal. Die Dimensionen der Stadt kann man von hier aus wohl auch lediglich erahnen. 

Zum Abstieg schlugen wir den Weg zum Baekwoon Information Center ein. Unser Plan war, ab dort den Schildern zum „Daedongmun Gate“ zu folgen. Aus für uns unerklärlichen Gründen verpassten wir die Schilder, kamen aber an einer nördlicheren Stelle aus dem Park. Als wir im Bus zur Metrolinie 4 saßen, waren wir angenehm erschöpft von den vielen Stufen bis zum Gipfel und den unvergleichlichen Eindrücken.

Frau unter Tor mit chinesischen Schriftzeichen beim Wandern im Herbst
Wandern im Nationalpark „Bukhansan“ 
Aussicht in den Bergen
Aussicht vom Gipfel „Baegundae“

Ich schicke Dir eine feste Umarmung,

Deine Annika