Von: Annika Freitag aus Mannheim

An: Lisa Feldmann nach München

San Miguel del Allende, 24. Januar 2019

Liebe Freundin,

Mexiko ist Abenteuer, Herzlichkeit und köstliche Quesadillas. Es präsentierte sich uns mit Kolonialarchitektur vom Feinsten, großen Weiten, Mariachis (mexikanische Volksmusik) und noch so vielem mehr – ich erzähle Dir von einem kleinen Ausschnitt eines großen Landes, den ich bereisen und erfahren durfte.

Ein Tag in Mexiko-Stadt

Wir starteten in Mexiko-Stadt. Unser Ziel war das Frieda-Kahlo-Museum im Süden der Metropole. Dazu fuhren wir mit der Metro. Der Fahrplan zeigt zu jeder Haltestelle ein eigenes Bild, man kann sich also fast nicht verfahren. Unser Ziel war die Haltestelle Coyoacán. Bevor wir das Museum ansteuerten, stärkten wir uns aber im Casa del Pan Papalotl. In dem kleinen vegetarischen Restaurant konnten wir an einem wackeligen Tisch auf dem Gehweg einen mexikanischen Sonntagmorgen beobachten. Ahnung, was wir bestellten, hatten wir keine, denn die Auswahl an Gerichten, die uns alle nichts sagten, war riesig. Wir wurden für unsere Abenteuerlust belohnt – dieses Frühstück und vor allem der Kaffee und der frische Saft waren so lecker, dass ich es noch lange in Erinnerung behalten werde.

Weiter ging es zum Frieda-Kahlo-Museum. Selbst am Morgen erwartete uns dort schon eine lange Schlange vor dem Eingang, an der wir mehrere Stunden hätten anstehen müssen.

Vor dem Frieda-Kahlo-Museum

Von daher änderten wir unsere Pläne und ließen uns zum Plaza Jardín Hidalgo treiben. Bei einem fruchtigen Maracujaeis vom Kiosco de Coyoacan schauten wir uns das bunte Treiben auf dem Platz an.

Eine Blumenverkäuferin
Plaza Jardín Hidalgo

Durch den Park Viveros de Coyoacán spazierten wir zurück zur Metrohaltestelle und fuhren zum Plaza de la Constitución. Die Mexikaner nennen den zentralen Platz der Stadt umgangssprachlich Zócalo. Da unsere Aufnahmefähigkeit aufgrund der Zeitverschiebung nicht mehr die höchste war, überließen wir die Fundamente des Templo Mayors den übrigen zahlreichen Touristen.

Zócalo

Wir dagegen gönnten uns eine kurze Ruhepause in der dunklen Kathedrale und atmeten den durchdringenden Weihrauchduft ein. Die Rast brauchten wir auch, denn unser Stadtspaziergang führte uns anschließend durch Chinatown und die Calle 16 de Septiembre.

Chinesisches Flair mitten in Mexiko-Stadt

Am Sonntagnachmittag war die Einkaufsstraße so voll, dass wir uns nach einigen Metern für eine der ruhigeren Seitengassen entschieden. Im Park am Museum der Modernen Künste beobachteten wir Straßenverkäufer, einheimische Familien beim Sonntagsspaziergang, freche Kinder und müde nordamerikanische Touristen. ta

Tausende Monarchfalter auf dem Weg

Hat man das Glück zwischen November und März Mexiko zu bereisen, sollte man sich das Naturschauspiel im Reserva de la Biósfera Santuario Mariposa nicht entgehen lassen. Wenn der Sommer sich in Nordamerika dem Ende neigt, machen sich die Monarchfalter auf den Weg. Bis zu 4500 Kilometer fliegen sie in ihr Winterquartier nach Michoacán. Um einen Blick auf die Millionen von Schmetterlingen zu erhaschen, gibt es drei große Ausgangspunkte. Wir wählten das Reservat „Cerro Pelon“. Dafür fuhren wir mit dem Bus aus Mexiko-Stadt nach Zitácuaro. Von dort aus ging es mit dem Kleinbus weiter und schließlich mit dem Taxi. Auch der platte Reifen unseres Taxis (wir sahen den Stein auf der Straße, unser Fahrer offensichtlich nicht) konnte uns nicht daran hindern, gegen Mittag in dem winzigen Dorf Macheros anzukommen. Der sehr nette Gastgeber Joel der Unterkunft JM’s Butterfly B&B reservierte uns eine niedliche Hütte nahe am Fluss gelegen.

Begleitet von einem Ranger mit seinem Pferd marschierten wir durch den Nationalpark auf dem Weg zu den Schmetterlingen. Zur Überraschung des Rangers entschieden wir uns gegen ein Pferd. Die sportliche Anstrengung tat uns nach der langen Busfahrt gut. Nach ein paar Stunden und vielen Höhenmetern erreichten wir den zauberhaften Ort der Schmetterlinge. Ich hatte mir vieles vorgestellt, aber all meine Erwartungen wurden übertroffen. Ein solches Naturschauspiel habe ich noch nie zuvor gesehen und werde es auch in der nächsten Zeit nicht mehr so schnell. Ein wahrhaft magischer Fleck Erde.

Monarchfalter im Reservat Cerro Pelon

Authentisches Irapuato

Unser Weg führte uns weiter nach Irapuato. Die Stadt ist nicht der größte Touristenmagnet des Landes, dafür voller authentischer und netter Einwohner. Uns begeisterte besonders die lebhafte Markthalle.

Die Markthalle in Irapurato
Eine große Auswahl an Meeresfrüchten

Die Studentenstadt Guanajuato

Am vierten Tag unserer Reise erwartete uns Guanajuato. Von einem Aussichtspunkt hatten wir einen traumhaften Blick über die Studentenstadt mit den bunten Häuschen.  In der Stadt bestaunten wir das Theater, die Universität – und die vielen hübschen Blumenkästen an den Balkonen. Im romantischen Park Jardín Reforma wartete ein erfrischendes Corona auf den gusseißernen Stühlen des Restaurants Rincon De Fausto. Unweit der strahelnden Basílica Colegiata de Nuestra Señora fanden wir einen herrlich aromatischen Kaffee.

Ausblick über die Studentenstadt
Viele, viele bunte Häuser
Hübsche Balkon-Blumen


San Miguel de Allende: Die Kolonialstadt

Unser nächstes Ziel auf dem Reiseplan war San Miguel de Allende. Als wir dort ankamen, wurde uns bewusst, weshalb so viele Nordamerikaner hier ihren Wohnsitz im Rentenalter hinverlegten. Die Stadt ist ein Traum von gepflegter Kolonialarchitektur. Übernachtet haben wir im Hostal Punto 79, eine Unterkunft in der Altstadt mit hübschem Innenhof und einfachen Zimmern. Am Abend entdeckten wir die hübschen Altstadtgässchen und natürlich die malerische Kirche Parroquía de San Miguel Arcángel.

Den Tag begrüßten wir am nächsten Morgen mit einem Spaziergang zu einem Aussichtspunkt über die Stadt. Entlang der Gasse „El Chorro“ gelangten wir über viele Stufen zum Mirador. Auf dem Rückweg ließen wir uns von der Stadtgeschichte in den Bann ziehen und besuchten die Lavaderos del Chorro. Durch den Park Benito Juárez spazierten wir umgeben von Morgensportlern wieder zurück in die Stadt. Ein wunderbarer Ort um nicht nur unsere Eindrücke und Erlebnisse der vergangenen Tage wirken zu lassen, sondern auch das Leben bei einem herrlichen frischen Saft zu genießen, ist die unweit bei der Kirche gelegene Bar Centro SMA.

Kirche Parroquía de San Miguel Arcángel
Ein Hutverkäufer

Mit dem Bus ging es gegen Mittag zurück in die Hauptstadt. Dort entdeckten wir für unser Abendessen einen ganz besonderen Platz: In der Caferbría „El Pendulo“ freute sich nicht nur meine Bücherseele, sondern auch mein Magen. In der Buchhandlung konnte man zwischen Büchern oder auf dem Balkon gemütlich zu Abend essen.

Ich schicke Dir eine feste Umarmung,

deine Annika