Von: Lisa Feldmann aus Madalena do Mar

An: Annika Freitag nach Mannheim

 

Madalena do Mar, 28. Juli 2018

Liebe Freundin,

wenn ich meine Augen schließe, dann höre ich einen plätschernden Wasserfall, das Rascheln von Bananenblätter und etwas entfernt das Rauschen der Meereswellen. Rate mal, wo ich gerade sitze? Auf der Dachterrasse unserer schönen Airbnb-Wohnung „Aqua Sea House“ auf Madeira in dem kleinen Ort Madalena do Mar. Das Häuschen besticht durch seine Außenfassade mit der türkisfarbenen Haustür und türkisfarbenen Fensterläden – und natürlich der Dachterrasse, auf der eine Hängematte nur so auf dich wartet.

Unser Haus am Meer

Sonnenuntergang auf Madeira

Sonnenuntergang auf Madeira direkt vor unserer Haustür

Allein die Anreise zur Insel ist schon ein Erlebnis wert: In einem kühnen Linksbogen fliegt das Flugzeug über das Meer, dann folgt plötzlich ein Schwenk nach rechts und schon berühren die Räder die sehr kurze Landebahn.

Von schönen Städtchen an der Sonnenküste Madeiras über abwechslungsreichen Wanderwegen bis hin zu einem Besuch der Hauptstadt Funchal gibt es alles, was das Herz begehrt. Außer: (natürliche) gelbe Sandstrände.

In drei Etappen einmal um die Insel

Die Küste der Blumeninsel haben wir in verschiedenen Etappen erkundet. Am ersten Tag sind wir die Sonnenküste im Süden entlanggefahren: Der erste Stopp führte uns zu Riberia Brava und von dort aus weiter nach Ponta do Sol, Calheta (hier gibt es einen gelben Sandstrand, der extra aus Afrika importiert wurde), Jardim do Mar sowie Paul do Mar (zwei sehr bezaubernde Surfspots) bis zum Sonnenuntergang nach Ponta do Pargo (der westlichste Punkt der Insel mit einem Leuchtturm). Laut unserem Reiseführer wird die Küstenstraße hier bei vielen Rundtouren ausgelassen, dabei sei die Insel hier besonders ursprünglich und das Wetter meistens am besten. Am schönsten: Die steilen Hänge sind mit endlosen Bananenterrassen gesäumt. Vor allem der Weg von Ponta do Sol bis nach Madalena do Mar führt spektakulär durch einen alten Felstunnel – und zwischendrin gibt es dank eines Wasserfalls eine kostenlose Autowäsche.

Die Küste im Süden hat meistens das schönere Wetter auf der Insel.

Auf dem Weg von Ponta do Sol nach Madalena do Mar gibt es eine Autowäsche gratis.

Kein Wunder, warum Madeira auch die Blumeninsel genannt wird!

Die Aussicht vom westlichsten Punkt Madeiras

Der Leuchtturm von Ponta do Pargo

Die zweite Etappe starteten wir in Achadas da Cruz. Dort gibt es eine steile Seilbahn, die den Ort mit den Feldern an der Küste verbindet. Hier fühlt es sich an wie das Ende der Welt. Weiter ging es nach Porto Moniz, wo wir in Lavapools gebadet haben, und nach São Vicente (ein schöner Ortskern mit einer hübschen Kirche).

Die Seilbahn, die Achadas da Cruz mit den Feldern an der Küste verbindet

Unbeschreibliche Aussicht und verheißungsvolle Farben

Hortensien gibt es auf der Blumeninsel in rauen Mengen.

Die Vogelperspektive auf Porto Moniz

In den Lavapools bei Porto Moniz kann man baden gehen.

Die Küste im Norden

Die Kirche von São Vicente von außen

Die Kirche von São Vicente von innen

Im Anschluss der Wanderung zum Ponta da São Lourenço (später mehr dazu) erkundeten wir den verbliebenen Küstensaum der Insel: von einer kleine Bucht bei Caniçal über Porto da Cruz und Faial nach Santana zu den typischen strohgedeckten Häusern (hübsch, aber sehr touristisch) über Ponta Delgada wieder zurück in unser Lieblings- und Heimatdorf Madalena do Mar.

Die Häuser von Santana

Das immergrüne Hinterland

Von Levadawanderungen, Gipfelzielen und Küstentrails

Neben der schönen Küste offenbart Madeira unzählig schöne Wanderungen. Das erste portugiesische Wort, das ich in Bezug auf Wanderungen auf Madeira gelernt habe, ist: Levada. Levadas sind schmale Bewässerungskanäle, die die ganze Insel überziehen – ein einzigartiges System auf dieser Welt.

Die erste kombinierte Levada-Wanderung (ca. 4 Stunden), die wir gemacht haben, war zu den „25 Fontes“ (25 Quellen) und zum Risco-Wasserfall. Der Weg liegt im feuchten Tal bei der Hochebene Paul da Serra. Dichtes Grün säumt hier Levadas und Bäche, über Felshänge stürzt Quellwasser hinab. Es plätschert überall zwischen Bäumen, Stauden, Moosen.

In den Ästen bleiben die Wassertropfen hängen.

Die 25 Quellen auf der Levada-Wanderung

Die Levadas sind auf Madeira einzigartig.

Der Risco-Wasserfall

Besonders schön fanden wir auch den Rundweg über Jardim do Mar (ca. 3,5 Stunden). Den Anfang macht ein atemberaubender Abstieg vom Ort Prazares (Startpunkt Hotel Jardim Atlantico) zum Meer, entlang einer schroff abfallenden Felswand. Kurz vor dem Surferort Paul do Mar erhaschten wir einen Blick in die Schlucht der Ribeira Seca Paul, in der sich die Wasserfälle den Weg zum Meer suchen. Über eine Brücke überquert man diese Schlucht. Von Paul do Mar führt ein Steinstrand zum Ort Jardim do Mar, dort beginnt der Aufstieg – und er ist ebenso steil wie der Abstieg. Und dennoch: Der Weg durch die engen Gassen über die Treppen zum Ortskern, durch Bananenstauden und verwilderten Feigenbäumen und Weinreben lohnt sich sehr.

Steiler Abstieg nach Paul do Mar

Der Hafen von Paul do Mar

Von Paul do Mar führt der steinige Strandweg nach Jardim do Mar.

Die Dächer von Jardim do Mar

Der steile Weg nach oben belohnt mit grandiosen Ausblicken.

Oh, du schönes Madeira!

Ein Kontrast dazu ist die Wanderung auf der Halbinsel São Lourenço (ca. 3 Stunden): felsig und kaum grün. Die Mühe, bei Sonnenaufgang von dort zur Spitze der Halbinsel zu laufen, hat sich gelohnt und war jedes frühe Aufstehen wert – wir waren morgens die Ersten dort, gerade rechtzeitig, als die Morgensonne die rot- und ockerfarbenen Felsen wachküsste. Am Ende gelangt man auf einen Aussichtsgipfel mit Blick auf die Nachbarinsel Porto Santo. Perfekt für das erste Frühstück des Tages.

Zum Sonnenaufgang auf die Halbinsel São Lourenço

Anders als an der Südküste gibt es hier statt sattes Grün schroffe und karge Felsen.

Die Sonne küsst die Felsformationen wach.

Die Wanderung bis fast zur Spitze dauert ca. 1,5 Stunden.

Die Spitze der Halbinsel São Lourenço

Der höchste Berg der Insel ist 1862 Meter hoch – der Pico Ruivo. Es gibt einen Weg, der über 5 Stunden hochführt – wir haben es uns einfach gemacht und sind von Achada do Teixeira zum Dach der Insel gestiegen (2 Stunden), das heißt wir haben den größten Teil der Strecke mit dem Auto zurückgelegt.

Auf dem Weg nach oben

Der Pico Ruivo ist der höchste Berg Madeiras.

Oben auf dem Pico Ruivo

Neben diesen vier Wanderungen, die auch als die „Top“ Wanderungen von Madeira gelten, haben wir noch eine ganz besonders schöne Tour unternommen: einen Rundweg auf zwei Levadas durch das Tal der Ribeira da Ponta do Sol (ca. 2,5 Stunden). Höhepunkt der Tour: ein Tunnel, an dessen Ende ein wunderschöner Ausblick auf einen Wasserfall folgt. Am besten also eine Taschenlampe und eine Regenjacke einpacken!

Zum Ende der Reise noch einmal eine Levada-Wanderung

Der Blick reicht bis zum Meer

Der Weg ist gesäumt von grünen Pflanzen.

Die perfekte Kombination aus Blumen und Meer

Der Höhepunkt der Wanderung: ein unerwarteter Wasserfall

Die Hauptstadt Funchal

Funchal, die größte Stadt Madeiras, und das angrenzende Fischerdorf Câmara de Lobos sind einen kleinen Abstecher wert – auch wenn sich der Charme der Hauptstadt erst auf den zweiten oder dritten Blick offenbart. Wir waren auf dem Mercado dos Levradores, sind mit der Kabinenseilbahn über die Dächer Funchals nach Monte (berühmt für die Korbschlittenfahrten) gefahren, haben dem Parque de Santa Catarina, der Promenade und der Altstadt Santa-Maria-Viertel (Zona Velha) einen Besuch abgestattet – die Keimzelle Funchals. Besonders schön: die bunten Türen, die lokale Künstler im Zuge eines Kunstprojekts gestaltet haben. Mein liebstes Bild ist das vom Kleinen Prinzen.

Ein Ausflug nach Funchal

Die Korbschlitten-Fahrer von Monte

Die berühmte Markthalle von Funchal

Ausblick auf Stadt und Hafen

Die bunten Türen in der Altstadt

Es gibt noch viele, viele Ecken zu entdecken, noch über 50 sicher lohnenswerten und eindrucksvollen Wanderwege – und daher genug Gründe, nochmal zurückzukommen.

Herzliche Grüße und eine lange Umarmung,

deine Lisa