Von: Lisa Feldmann aus Kapstadt

An: Annika Freitag nach Utrecht

 

Kapstadt, 11. Januar 2018

Meine liebe Freundin,

hast du schon einmal im Winter deine hübschen Sommerkleider in den Koffer gepackt, bist abends im Regen und bei Temperaturen nah an der Null-Grad-Grenze zum Flughafen gedüst – und am nächsten Morgen im Sommer aufgewacht? Klingt wie ein Traum – ist es aber nicht. Wir haben dieses Jahr im Januar einfach München gegen Kapstadt getauscht. Die Kälte, die grauen Wolken und den tristen Monat gegen 25 Grad im Schatten, Sonnenschein und blauen Himmel. Die ersten fünf Tage verbringen wir in der Hauptstadt Südafrikas, ein Wochenende in den Weinbergen bei Stellenbosch und anschließend zwei Wochen an der Garden Route und im Hinterland auf der Route 62.

Zwei Highlights am ersten Tag: V&A Waterfront und Signal Hill

Um 9 Uhr morgens (zwischen Kapstadt und München liegt übrigens nur eine Stunde Zeitverschiebung) sind wir auf afrikanischem Boden gelandet, haben in das kleine und sehr süße Cape Finest Guesthouse eingecheckt und uns direkt auf den Weg zur De Waterkant und V&A Waterfront gemacht. Dort spielen Robben nah am Meeresufer, sonnen sich auf dem Steg nah am Wasser und lassen sich von den Touristen bewundern. An der Waterfront gibt es auch den V&A Foodmarket, der ganz hip und modern für jeden Geschmack etwas bereithält. Daran schließt eine Halle mit kleinen Kunstgalerien, die Silber- und Goldschmuck, selbstgemalte Bilder und hübsches Porzellangeschirr verkaufen. Zum Sonnenuntergang fuhren wir mit unserem Mietwagen, den kleinen VW Polo, auf den Signal Hill, um Kapstadt von oben zu genießen. Abends gab es für mich das allererste Straußenfilet meines Lebens, auf der Dachterrasse unseres Guesthouse mein allererstes Bier aus Namibia – mit Blick auf den Tafelberg.

Unser Zimmer im Cape Finest Guesthouse in Kapstadt

Der erste Eindruck von Kapstadt: die V&A Waterfront

Robben sonnen sich auf dem Steg.

Zum Sonnenuntergang treffen sich viele Kapstädter auf dem Signal Hill.

Der Tafelberg im Abendlicht

Bo-Kaap und der Botanische Garten

Nach einem fantastischen Frühstück aus frisch gepresstem Orangensaft, Sommer-Früchten und heißem Filterkaffee sind wir am zweiten Tag losgezogen, um das Upper City Center unsicher zu machen. Das muslimische Viertel Bo-Kaap besticht durch bunte Häuser in allen Farbkombinationen, Minaretten und Gewürzläden. Über die Long Street – mit seinen Restaurants und Kneipen berühmt für das Nachtleben – schlenderten wir zum Greenmarket Square, der mit seinem Kopfsteinpflaster und eleganten Gebäuden einen kleinen Abstecher lohnt. Anschließend spazierten wir durch den Company’s Garden und zum politischen Herz Kapstadts: das Parlament und die Residenz des amtierenden Präsidenten.

Bo-Kaap, das muslimische Viertel

Die bunten Häuser im Bo-Kaap gehören bei einer Erkundungstour durch Kapstadt auf jeden Fall dazu.

Das Cape of Good Hope – und ganz viele afrikanische Pinguine

So nah Pinguine in freier Wildbahn erleben, das habe ich zum ersten Mal am Boulders Beach bei Simon’s Town auf halber Strecke zwischen Kapstadt und dem Cape of Good Hope. Die Kolonie dieser putzigen afrikanischen Pinguine ist für Kinder und Erwachsene gleichermaßen sehenswert.

Ein Pinguin am Boulders Beach

Ein Kontrast dazu ist Cape Point, der gefährliche, windgepeitschte Felsvorsprung mit tückischen Strömungen. Vom Leuchtturm am Cape Point sind wir zum Cape of Good Hope gewandert, bei rauem Wind vorbei an einem einsamen Sandstrand in einer kleinen Bucht.

Die Aussicht vom Cape Point

Der Leuchtturm am Cape Point

Blumen am Wegesrand bei der Wanderung zum Cape of Good Hope

Auf dem Rückweg haben wir Halt in Kalk’s Bay an den bunten Strandhäusern gemacht. Allerdings schont dieser kleine Küstenort keinesfalls den Geldbeutel: In hübschen Länden gibt es allerhand hübschen Schmuck und hübsche Sommerkleider zu kaufen. Ganz süß ist vor allem die Bäckerei des Olympia Cafés.

Kalk’s Bay und seine bunten Strandhäuser am Meer

Shoppingmöglichkeiten gibt es in Kalk’s Bay so einige.

Sonnenblumen im Café in Kalk’s Bay

Der Eingang zur Bäckerei des Olympia Cafés

Der Tafelberg, das Wahrzeichen von Kapstadt

Mit seinen 1087 Meter überragt und umsäumt der Tafelberg mit seinen schroffen Felshängen die Stadt – ein wenig wie eine schützende Mauer. Statt hochzuwandern sind wir mit der Seilbahn gefahren, die sich während der Fahrt um ihre eigene Achse dreht. So kann jeder Fahrgast einmal einen Blick auf die Stadt werfen, die immer kleiner wird, je höher die Gondel fährt. Der Blick oben reicht über die Stadt bis zum Meer.

Aussicht vom Tafelberg

Aussicht vom Tafelberg 2

Nachmittags haben wir uns den Tafelberg von der anderen Seite angesehen: in den Kirstenbosch National Botanical Gardens – ein Park wie aus dem Bilderbuch mit riesigen Bäumen, Bachläufen und grünen Wiesen für kleine und große Picknicks. Südlich von Kirstenbosch liegt der gehobene Vorort Constantia. Den wohl besten Cheesecake, nicht ganz so gute Scones und eine zauberhafte Aussicht über die Weinfelder gibt es dort im Weingut Groot Constantia.

Im Süden Kapstadts: Chapman’s Peak Drive und Camp’s Bay

Der Chapman’s Peak Drive ist eine neun Kilometer lange Küstenstraße auf der Kap-Halbinsel südlich von Kapstadt. Die Straße schlängelt sich in unzähligen Kurven zwischen Meer und steilen Felswänden entlang. Viele Autokonzerne nutzen diese Strecke für Werbeaufnahmen oder Fahrveranstaltungen.

Der Start des Chapman’s Peak Drive

Camp’s Bay ist ein Vorort von Kapstadt, erstreckt sich über die Ausläufer des Tafelbergs und wird gelegentlich auch als „die Perle“ bezeichnet. Mit Sicherheit ist die Bucht eine der attraktivsten und sicherlich teuersten Wohngegenden der Kap-Halbinsel. Das zeigt sich auch daran, dass sich an der Hauptstraße Victoria Road ein noch trendigeres Restaurant neben das andere reiht.

Camp’s Bay, der luxuriöse Vorort von Kapstadt

Der Strand in Camp’s Bay

Die Weingüter in Stellenbosch

So gut mir Kapstadt mit seinen vielen hübschen Cafés, Kunstgalerien und bunten Häuserfassaden gefallen hat, so sehr man stundenlang am Cape Point wandern oder am Boulders Beach die Pinguine beobachten oder immer wieder über den Chapman’s Peak Drive fahren könnte – so viel besser hat mir Stellenbosch mit seinen im Umland thronenden Weingütern gefallen. Vor allem ein Spaziergang über die Dorp Street in der Abenddämmerung, vorbei an Straßencafés, kleinen Restaurants und historischen Fassaden, sollte ein „Muss“ auf dem Programm sein.

Die romantischen Hausfassaden in Stellenbosch

Eine alte Allee in der Dorp Street

Für Weinproben, die für kleine Preise angeboten werden, haben wir uns fünf verschiedene Weingüter ausgesucht: Allen voran empfehlenswert ist das Waterford Estate mit seinem „Chocolate and Wine Tasting“. Im Anschluss waren wir auf dem Dornier Wine Estate nebenan und haben zum Weißwein Flammkuchen bestellt. Durch lauschige Alleen, vorbei an Schafweiden und Obstplantagen führt der Weg zum Weingut Rustenberg Wines – ein romantisches Gut mit einem wunderschönen, verwunschenen Garten. Weitere sehr schöne Höfe sind das Weingut von Peter Falke (ja, richtig, der mit den Socken) und Uva Mira auf dem Helderberg. Von der Terrasse erstreckt sich ein einzigartiger Blick über die Weinberge. Ein Geheimtipp: Das Weingut Asara – dort gibt es abends auch sehr gute Pizza auf dem großen Balkon. Und drinnen eine Bar mit über 350 Gin-Sorten aus der ganzen Welt.

Waterford Wine Estate, unser erstes und liebstes Weingut

Im Waterford Wine Estate gibt es einen romantischen Garten.

Chocolate und Wine Tasting bei 40 Grad im Schatten

Dornier Wine Estate, Weingut Nummer zwei

Auf dem Dornier Wine Estate gibt es auch fabelhaften Flammkuchen.

Rustenberg Wines, ein alter Gutshof, liegt auf einem großen Anwesen.

Ein schönes Fleckchen Erde

Ausblick vom Asara Wine Estate

Auf dem Asara Wine Estate gibt es über 350 verschiedene Gin-Sorten zum Testen.

Der Blick vom Uva Mira Wine Estate

Weinreben in Nahaufnahme

Liebe Annika, ich sage dir: Das war definitiv (hoffentlich) nicht mein letzter Besuch in Kapstadt und Stellenbosch. Aber jetzt geht es erstmal weiter nach Swellendam zum De Hoop National Park und danach zur Garden Route.

Herzliche Grüße und Küsse,

deine Lisa