Von: Lisa Feldmann aus Barrydale

An: Annika Freitag nach Utrecht

 

Barrydale, 24. Januar 2018

Meine liebe Freundin,

die Sonne steht an ihrem höchsten Punkt am Horizont und ich sitze in einem Café in einem kleinen Ort namens Barrydale. Dieser befindet sich auf der sogenannten Route 62 im Klein Karoo, also im Hinterland der Garden Route. Zwei Wochen waren wir jetzt unterwegs: Von der Stadt Swellendam mit einem Tagesausflug in das Naturschutzgebiet De Hoop, entlang der berühmten Küstenstraße Garden Route mit den Stopps Wilderness, Knysna und Sanddrif (in der Nähe des Tsitsikamma National Parks) bis zum Addo Elephant Park und auf der Route 62 im Hinterland über Oudtshoorn wieder zurück nach Kapstadt. Die Tage waren bis zur Kante gefüllt mit Sonnenschein, wunderschönen Sandstränden, Wanderwegen entlang des Indischen Ozeans und einer faszinierenden Fauna und Flora.

De Hoop Nature Reserve: Ein Dünenmeer so weit das Auge reicht

Ganz oben auf unserer Südafrika-Liste stand der De Hoop National Park, ein aufgrund der etwas umständlichen Anfahrt recht untouristisches Naturschutzgebiet. Als Startpunkt für einen Tagesausflug dorthin haben wir Swellendam gewählt, eine Stadt am Fuße der Langeberg Mountains. Übernachtet haben wir in der Old Thatch Lodge, ehemals ein Stadthaus aus dem 19. Jahrhundert, das von einer deutschen Einwanderin geführt wird. Die Lodge hat einen romantischen, verwilderten Garten  und morgens auf der Terrasse wird ein „Flower-Power-Frühstück“ (dekoriert mit Blumen aus dem Garten) serviert. Die Inhaberin hat uns für den Abend auch das Kroonland’s Restaurant, empfohlen – mit afrikanischen Spezialitäten von Kudu bis Straußenfilet. Etwas verrückt: In Swellendam gibt es den Feen-Garten Sulina’s Faerie Sanctuary: Der Besuch lässt dich tatsächlich ein wenig daran glauben, dass Feen wirklich existieren.

In der Old Thatch Lodge gibt es ein echtes Flower-Power-Frühstück.

Am nächsten Morgen starteten wir frühmorgens Richtung De Hoop Nature Reserve – über 50 Kilometer Schotterpiste mit Halt in Malgas, wo wir mit der letzten handbetriebenen Fähre den Fluss überquerten. Dann, kurz hinter dem Main Gate des Naturreservats, erstreckt sich am Horizont das noch fünf Kilometer entfernte, weiße Dünenmeer und das tiefblaue, weite Meer dahinter. Auf der Fahrt gen Horizont grasten Antilopen und rannten Strauße über die Steppe. Die beliebtesten Tiere hier sind wohl aber die Wale, die von Juni bis November zu sehen sind (Januar ist leider nicht der richtige Monat). Am Straßenende sind ein paar Parkplätze, ein Weg führt hinab zu den Dünen, dem Meer und kleinen Buchten.

Die letzte handbetriebene Fähre Südafrikas gibt es in Malgas.

Antilopen an einer Wasserstelle im De Hoop Nature Reserve

Das De Hoop Naturreservat mit Blick auf das tiefblaue Meer – zum Träumen schön.

Riesige Sanddünen: Ein Grund für Freudensprünge

Die Langeberg Moutains, zu deren Fuße Swellendam liegt

Garden Route in drei Etappen: Wilderness, Knysna und Storms River Mouth

Und dann erreichten wir den offiziellen Startpunkt der Garden Route. Unser erster Stopp entlang der Küstenstraße: Wilderness, ein kleiner Ort mit einem langen, weißen Sandstrand. Wir liehen uns ein Kanu und schipperten damit über einen Fluss, um anschließend zu Fuß über Holzstege zu einem Wasserfall zu wandern.

Der Sonnenuntergang in Wilderness

Der Ausblick von unserem Guesthouse

Mit dem Kanu über den Fluss zum Wasserfall

Nur knapp zwei Stunden entfernt liegt Knysna – charakteristisch für die Stadt ist die große Lagune. Hinein in diesen gut geschützten Naturhafen gelangt man nur durch einen engen Kanal, der im Meer mündet. Rechts und links dieser Einfahrt stehen „The Heads“, zwei riesige Sandsteinklippen. Oben gibt es einen Aussichtspunkt, von dem sich Knysna vor allem in der Abenddämmerung von seiner schönsten Seite zeigt. In der Stadt selbst gibt es sehr charmante Ecken, süße Läden, nette Restaurants. Mein Favorit: das Café île de païn.

The Heads in Knysna zum Sonnenuntergang

Entspannen im Café île de païn

Nicht zu verpassen: der Knysna Elephant Park. Die Elefanten werden artgerecht behandelt und ihr Schutz und Wohlergehen steht an erster Stelle. Wenn sie es zulassen, darf man mit den Riesen aber auch auf Tuchfühlung gehen.

Mit Elefanten auf Tuchfühlung

Ein Zebra mit Baby

Der Höhepunkt der Garden Route: Tsitsikamma National Park

Auf der Fahrt von Knysna nach Storms River Mouth passiert man die Bloukrans Bridge, von der Bungee Jumps stattfinden. Im Minutentakt springen Touristen am Seil von der Brücke ins Leere. Von dem Anblick erholten wir uns in unserer nächsten, sehr idyllischen Unterkunft: der Love Earth Farm. Eine junge Familie vermietet hier eine Blockhütte mitten in der Natur. Morgens gibt es frische Eier von freilaufenden Hühnern, im Gemüsegarten durften wir frische Erdbeeren pflücken und nebenan betreibt der Nachbar einen kleinen „Tante-Emma-Laden“ bzw. Metzgerei. Abends machten wir hier unser erstes (und einziges) Barbecue in Südafrika.

Unsere idyllische Unterkunft mitten auf dem Land

Erstes (und einziges) afrikanisches Barbecue

Auch die Kuh im Garten fehlte nicht.

In Reiseführern und auf Reiseblogs ist immer wieder zu lesen, dass der Nationalpark Tsitsikamma National Park bei Storms River Mouth der Höhepunkt der Garden Route ist. Bekannt ist der Mouth Trail, der eine Hängebrücke am Storms River überquert. Noch viel schöner ist aber der mehrtägige Wanderweg Otter Trail – einen Teilabschnitt, den dreistündigen Waterfall Trail, sind wir auch gewandert. Der Weg führt am Meer entlang, über grau- und orangefarbene Felsformationen und endet an einem Wasserfall, unter dem man duschen kann.

Unterwegs auf dem Waterfall Trail

Unter diesem Wasserfall kann man nach der anstrengenden Wanderung duschen.

Der Otter Trail zeigt sich von seiner schönsten Seite.

Elefantenherden im Addo Elephant Park

Eine Safari stand natürlich auch auf unserer Südafrika-Liste und zwar im Addo Elephant Park. Geschlafen haben wir außerhalb des Parks in einem hübschen Bungalow im Addo African Home.

Frühmorgens um 7 Uhr standen wir mit unserem VW Polo Mietwagen vor den Toren des Addo Elephant Parks und waren die ersten Besucher des Tages. Über sieben Stunden waren wir im Park – und sehr glücklich über unsere Klimaanlage im Auto, denn draußen war es fast 40 Grad heiß. Von Zebras und Wildschweinen an Wasserstellen, Kudus, die Zweige und Blätter vom Strauch frühstückten, einer Schildkröte, die gemächlich den Weg passierte und einer süßen Maus, die am Picknickplatz unsere Müslikrümel vernaschte, waren die Elefanten natürlich die Hauptattraktionen. Riesige Elefantenherden, kleine Babyelefanten, die am Wasser spielten, Elefanten, die ganz nah am Auto die Straße überquerten – überall: Elefanten, Elefanten, Elefanten.

Ein Kudu im Gebüsch

Eine Zebra-Herde an der Wasserstelle

Eine Schildkröte überquert die Straße.

Eine kleine Elefanten-Familie

Elefanten so weit das Auge reicht

Oudtshoorn und der Swartberg-Pass auf der Route 62

Oudtshoorn im Hinterland auf der Route 62 habe ich immer nur mit einem assoziiert: Straußenfarmen. Dabei ist der Ort ein Ausgangspunkt für so viel mehr, weshalb er mich sehr positiv überrascht hat und auf keinen Fall ausgelassen werden sollte. Von unserem Guesthouse Earthbound B&B haben wir zunächst eine Abenteuer-Tour durch die Cango Caves gemacht und uns durch sehr, sehr schmale Lücken gequetscht. Von dort aus sind wir weiter über den Swartberg Pass in den kleinen Ort Prince Albert, in dem es kleine Cafés und Kunstgalerien gibt. Sogar eine kleine Weberei haben wir entdeckt. Auf dem Swartberg Pass selbst fühlt man sich wie in einem amerikanischen Nationalpark (oder jedenfalls wie ich ihn mir vorstelle): Eine kurvige Straße schlängelt sich auf der einen Seite die grünen Berghänge hinauf, auf der anderen Seite an überwältigenden, rotfarbenen Felsformationen hinab. Abends haben wir im Old Mill Restaurant unsere Eindrücke des Tages bei einem köstlichen Abendessen Revue passieren lassen.

Der Blick vom Swartberg-Pass

Die andere Seite vom Swarberg-Pass

Gigantische Felswände auf dem Swartberg-Pass

Auf dem Rückweg zurück nach Oudtshoorn

Am nächsten Morgen standen wir um halb fünf auf, um zum Sonnenaufgang mit dem Meerkat Man auf Erdmännchen-Expedition zu gehen. In einem Halbkreis auf Klappstühlen sitzend, warteten wir mitten im Nirgendwo darauf, dass die Erdmännchen aufwachen, aus ihren Höhlen kriechen und die ersten Sonnenstrahlen begrüßen.

Die Erdmännchen-Familie erblickt die ersten Sonnenstrahlen des Tages

…. und nun sind wir auf dem Weg zurück nach Kapstadt in Barrydale – mit einem kurzen Halt bei Ronnies Sex Shop. Die Geschichte ist eigentlich ganz lustig: Die Freunde von Ronnie haben in einer Nacht, in der sie wohl ein Bier zu viel intus hatten, neben Ronnies Shop das Wort „Sex“ ergänzt. Plötzlich schauten so viel mehr Gäste als üblich bei ihm in der ganz „normalen“ Kneipe vorbei. Ein Gag, der sich bis heute als das beste Marketing für Ronnie herausgestellt hat.

Unterwegs auf der Route 62

In Barrydale selbst waren wir gerade in der kleinen Kunstgalerie Magpie Gallery. Aus alten Erinnerungsstücken von Verwandten oder Freunden wie Porzellangeschirr, Perlenketten und ähnliches zaubern Künstler hier beispielsweise Kronleuchter. Auch das Weiße Haus hat wohl einen Kronleuchter der Magpie Gallery in seinen Räumen hängen.

Die kleine Kunstgalerie in Barrydale

Liebe Annika, Südafrika ist ein Traum. Du musst unbedingt herkommen und all die Orte besuchen – es gibt sicherlich noch viel, viel mehr zu entdecken.

Herzliche Grüße,

deine Lisa